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Dienstag, 31. Oktober 2017

Die Denkwürdigkeiten im Oktober und ich

Ich hatte heute meine erste Nachtfahrt.
Mag jungfräulich klingen, war es aber nicht - jedoch: fährt man dank Zeitumstellung an einem Sonntag im Herbst nach 20 Uhr mit dem Fahrrad durch die Gegend, fühlt es sich beinahe so abenteuerlich an, wie ein echtes erstes Mal.
Es ist furchtbar dunkel.
Man ist furchtbar allein. Herrlich!
Ein Mann und seine Maschine....*räusper*....
Na gut, also zumindest wie ein erstes Mal seit Langem, wie so ein "hab ich als Kind mal gemacht, war echt cool" und (leider) nichts Versautes.

Besonders im Anschluss an nachmittagliche Kuchenvöllerei tut so ein Ausflug durch die herbstliche Dunkelheit echt gut.

Wenn dann auch noch ein frisches Lüftlein kräftig bläst (gnihihi), der Himmel klar und die Straße wie leergefegt vor einem liegt, kann man mir also bereits sehr denkwürdige Momente bereiten.
Ich bin eben auch ein bescheidener Typ.

Sobald die von Fahrrad Meier erworbene LED-Lichtorgel an meinem Lenker den schwarzen Asphalt vor mir in befahrbares Terrain verwandelt, und ich somit herabfallenden Ästen, Zweigen und Eichhörnchen noch eleganter auszuweichen vermag, als mir mein naturgegebenes Talent es eh schon ermöglicht, bin ich schwer zufrieden.
Es sind eben die kleinen Dinge.
Wobei so ein kleines Eichhörnchen schon auch ganz fies großes Unheil anrichten kann, wenn es den Speichen der fröhlich vor sich hinrotierenden 28" Laufräder einen Hauch zu nahe kommt.

Ja, was man nicht alles so denkt und schätzt, während man so mutterseelenallein durch die "Nacht" galoppiert...
man denkt da ziemlich viel und auch nichts. Denkwürdig eben.

Im Geleit von Sternen klar mit Mond und meinem blinkenden Lieblingswindrad in der Ferne, wird mir dann schnell bewusst, dass ich gerade nicht viel mehr als das brauche.
Hier ist eigentlich nichts und doch so viel mehr als das.
Ein toller Moment, um leise liebe und vor allem besonders liebenswürdige Menschen mit einem Gruß in den Nachthimmel zu beschenken oder vor sich hinzumurmeln, dass man sie vermisst.
Ausser dem Sturm und ein paar Bäumen hört ja auch keiner zu - und das soll nun nicht bedeuten, dass die beiden genannten Naturburschen keine guten Zuhörer wären.

Denkwürdig ist auch, dass der Wind das eigentlich einzige Geräusch bekleidet, dass man auf ner nächtlichen Radexkursion so wahrnimmt - zumindest solange er von der Seite oder von vorne durch den Schädel weht.
Erreicht der geneigte Nachtwanderer nämlich diesen Punkt am Ende der Straße, sich bereits ganz in der Nähe dieses Windrades befindend (Sie erinnern sich) und wechselt damit zwangsläufig beim Abbiegen die Himmelsrichtung, ist es plötzlich ganz still:
Wenn der Wind von hinten kommt, fühlt man sich für einen Moment wie im Auge des Sturms aller sonst so lauten und alltäglichen Dinge. Echte, denkmerkwürdige Stille ohne viel Nachdenkerei. Seelenbalsamiko!
Notiz an mich: Wer seine Route zuvor in etwa nach der Windrichtung plant, hätte mehr von diesem Stilleanteil...
Aber mit den Himmelsrichtungen hab ich es ja nicht so.

Schwamm drüber.
Paradoxerweise strampelt es sich trotz aller stürmisch-dunklen Meteorologie hervorragend.
So zeigt sich mal wieder, dass sogar noch trotz unangemessen hoher Kuchenmengen am Nachmittag eine vor Kraft und Vortrieb strotzende Fahrweise durchaus möglich ist.
So sause ich festlich beleuchtet mit mal wieder gut 30 Sachen durch die ziemlich finstere Landschaft, lasse das Windrad passieren (nicht, ohne meine Gehörgänge dabei auf das durch die Luft schneidende Geräusch der Rotorblätter zu richten und erneut stille Grüße zu entsenden), wage mich auf den schmalen Weg durch den Waldabschnitt, dessen Herausforderung weniger darin besteht, dass er nach dem Motto "Loch an Loch und hält doch" im Jahre 1978 zum letzten Mal nicht ganz fachmännisch geteert wurde, sondern mehr darin, dass er nen guten Nährboden für jeden Horrorclown abgeben würde.
Dabei ist allerdings festzustellen, dass mich das eventuelle Auftauchen dieser Spezies gerade nicht beunruhigen würde. Die Luft hat mich mutig gemacht!
Bock, mich mit so nem überschminkt rotnasigen Kettensägentypen nun unnötig herumzuschlagen, hätte ich allerdings auch nicht.

Also erachte ich es für denkwürdig, diese hohle Gasse frohen Trittes hinter mir gelassen zu haben.
"Sternengefunkel ist wirklich gut für die Seele", sagen meine Gedanken.
"Eine leere, top asphaltierte Landstraße am Sonntagabend auch!", wirft mein Fahrrad ein.
Zusammen werden wir jedoch aus unseren Sentimentalitäten gerissen, als ein haariges Etwas aus dem Straßengraben sich anschickt, das mühelose Hingleiten jäh zu unterbrechen.
Zu meiner Erleichterung handelt es sich weder um ein Eichhörnchen, noch um einen Horrorclown.
Eine todesmutig oder ebenfalls mit Kuchen überfüllte Katze kommt mit quietschenden Krallen kurz vor mir auf dem Asphalt zum Stehen.

"Ja, ein denkwürdiger Tag auch für diese Fellnase!", entfährt es meinem Gespür. Ein paar Minuten früher oder später und sie hätte vielleicht eine zweite Karriere als Unwucht am rechten Zwillingsreifen von Brummifahrer Bernd gestartet.
So aber wird sie Zeuge, wie ich sie auf meinem zweirädrigen Schimmel mit gedacht flatterndem Mantel gekonnt umschiffe und ihr im Vorbeifahren die Empfehlung ausspreche, den Graben heute lieber nicht mehr zu verlassen.

Und so begebe ich mich - halb St. Martin, halb Schimmelreiter, halb nix (das ist mal Mathematik! ) - noch ein Weilchen durch die Nacht, die dank der Umstellung auf Winterzeit nur ein verkleideter Abend ist.
Oh, Kuchen.......

Freitag, 22. September 2017

So groß wie Du (Septemberrohfassung 2017)

Ist nichts.

Nichts ist so groß wie Du. 


Wenn ich wach bin in der Nacht
und in der Ferne Lichter blinken,
bleibst als hellstes Ende Du.

Und atme ich in an weiten Feldern,
whisper ich Dir seufzend zu.
Wenn ich Reden höre, starke Worte,
reicht ein Wort von Dir, ein Gruß,
dass ich spüre Deine Nähe,
denn nichts ist so groß wie Du.

Erklimme ich die höchsten Berge,
denk ich erst dem Gipfel zu,
und dann hoch oben aus der Ferne
winkst statt mir schon wieder Du.
Tanke ich mal meinen Wagen
voll bis an den höchsten Rand,
entfährt es mir nach dem Bezahlen:
hab mich Dir nur zugewandt.

Steh im Wind von Eisenbahnen
ich an einem Übergang,
saug ich ein ihr rauschend Fahren,
doch Du bleibst der stärkste Klang.
Unter alten Flugzeugrümpfen
seh den Tragflächen ich zu,
die in mächtig weiten Schwingen
doch nicht tragen so wie Du.

"So groß wie Du ist nichts,
nichts ist so groß wie Du",

sprech ich am Deich noch oft zum Meer,
das mit Wellenwogenrauschen

fast so groß ist

wie nur Du.