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Donnerstag, 24. September 2015

Werfttagebuch 2. Akt

Vorwort:

Wenn Sie etwas übrig haben für Akt und Co. - die Frau Möwe hat da was für Sie.

Ja, es gibt auch noch andere Meeresdingsen, aber nur hier im

~Original~

wird so vorzüglich gecruised.

Ende der Durchsage, weiter zum Text:




Werfttagebuch 2. Akt


oder: Diesmal lasse ich es mir machen!

21.06.: Bombenstimmung! Nachdem das Spezialwerkzeug lustig am Regal baumelt, feiere ich genüsslich meinen ersten Triumpf!
Sprichwörter wie "Hochmut kommt vor dem Fall" oder "Wer anderen eine Bratwurst brät"
ignoriere ich zu diesem Zeitpunkt professionell.
"Nun!"......
"Nun!", so rufe ich "legt mir hier keiner mehr irgendwelche unlösbaren Schrauben in den Weg!" und tanze wie Tom Hanks um sein erstes zartes Flämmchen in "cast away".
Überlege, mir auch einen Wilson anzuschaffen, mit dem ich meine Reparatur-Fortschritte teilen kann.
Warte vergeblich auf den Tag, an dem der Regen einen alten Volleyball durchs Garagentor spült, dem ich eine ölverschmierte Hand in die Visage drücken kann.
Der Juni ist ein gnadenlos dürrer Doofmann!

Also heißt es wieder "Selbst ist der Mann".
Ein Blick in mein Handbuch verrät, dass die Schraube, für die das monumentale Spezialwerkzeug gebaut wurde, ganz am Schluss auch wieder mit exorbitanter Kraft angezogen werden muss.
Dies wiederum erfordert ein weiteres Spezialwerkzeug, dass meiner Sammlung leider nicht beiwohnt:
Einen 500-Newtonmeter-Drehmomentschlüssel - mit titanbeschichteter Auslösemuffe und  hartverchromter Einstellmutter....*grunz*

Das Grunzen bleibt mir jedoch im Halse stecken, als ich feststelle, dass weder Wilson noch Tim Taylor anwesend sind, und ich mich auch nicht in der Garage dieses Heimwerker-Kings befinde, in der man so eine Gerätschaft mal eben funkelnd von der Werkzeugwand hievt.
Dieses Mal hilft weder ein Rohr, noch ein Kumpel mit Telefonanschluss.
Fazit des Tages:
unlösbare Schrauben sind doof.
Andersherum ist aber auch mehr so mittelgeil.


25.06.:
Überlege seit Tagen, dass ich mir am Ende der Reparatur so einen Drehmomentschlüssel leihen muss.
  • Wer wird so ein Baby aus der Hand geben?
  • Werde ich mich beim abschließenden Versuch, mit diesem wirklich langen Ding zu hantieren letztendlich gesund und wohlbehalten am Garagenboden wiederfinden?
  • Und warum müssen die Rohre in diesem Text eigentlich immer so lang sein?!


27.06.:
Ende der Grübelei: mein Werkzeug glüht.
Schraube um Schraube verlässt in einem Wahn von Losschrauberei den Motorraum.
Manchmal denke ich daran, die lustigen Metallkameraden in entsprechend gekennzeichnete Kartons zu bugsieren.
Manchmal - Sie ahnen es - aber auch nicht.
(Schließlich besitzt kein Mann ausreichend viele bunte und praktisch bemaßte Kartons!)

Ein bisschen Nervenkitzel muss eben auch sein, denke ich so bei mir.
Dann fällt mir ein Satz aus "Werfttagebuch 1. Akt" wieder ein, der die fatalen Folgen bei mehrwöchiger Reparatur in Kombination mit meinem Gedächtnis mahnend erwähnte.
Zu spät!
Männer, Nervenkitzel, keine Kartons.....Mut zur Lücke!

Frage mich zudem, woher all die rostigen Bleche kommen, die man vorher so gar nicht aktiv wahrnehmen konnte.
Zum Glück erscheint Tine Wittler auf meiner Schulter, um adhoc in geistige Farbberatung einzusteigen.."Die musst Du lackieren, Meerescruisenmann"..
"Kotztütengelb und WennmanLeberwurstindieSonnelegt-grün sind gerade voll im Trend, dazu noch eine geringelte Zündkerz....." höre ich sie sagen,
dann breche ich unter der Last zusammen.
Später erfahre ich, dass man nach der Demontage des Benzinschlauchs nicht lange und tief einatmen sollte.
Gebe Wilson die Schuld! Hätte er sich endlich mal angekündigt, hätte ich doch das Garagentor einen Spalt offen stehen gelassen.
Keine Dämpfe - keine Tine.
Aber auch keine geringelte Zündkerze.
....
Wiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiilson!!!!

30.06.:
Da liegt er, der Schurke!!

oder anders gesagt: Der Zylinderkopf ist draussen...der Motorraum entkernt.
Frau Wittler hat heute frei, ich habe dem Benzinschlauch seinen offenen Schlund gestopft!
Da Schurken dazu da sind, ergriffen zu werden, sollten die nächsten Arbeitsschritte wohl klar sein.
Suhle mich aber erstmal im Ruhm, den schweren Klumpen unter knarzenden Rückengeräuschen vom Auto auf den letzten freien Teil der Werkbank gehoben zu haben.
Das geht besonders gut, wenn Worte wie
"Hast Du etwa einen Kran?!" aus bewunderndem Frauenmund als nachträgliche Anfeuerung dienen.
Sehr empfehlenswertes Erlebnis für jeden, der sich ein mal wie der verschollene dritte, aber nicht minder eingeölte Klitschko-Bruder fühlen möchte.
"ooooooooh, und willst du eine Mialchrrrschnjittä?!"

Stelle fest, dass Milschnitte in dem Zusammenhang gefährlich doppeldeutig anmutet, schicke die Bekannte mit dem bewundernden Frauenmund lieber wieder an ihre Arbeit.

01.07.:
Obwohl ich bei "Boerne und Thiel" mehr Gemeinsamkeiten meinerseits zum kleinen dicken flitzenden Kommissar, als zum vornehm sezierenden Pathologen mit Stock im Arsch entdecken kann, filetiere ich den nun einsam vor mir liegenden Zylinderkopf so gekonnt, dass eben dieser Boerne schwer mit seiner Contenance zu kämpfen hätte.
Kein Spezialwerkzeug, keine Chemie, keine versteckten Kosten.
Der Motorenhimmel könnte nicht viel schöner sein, ich wage aber nicht, mich bereits in selbigem zu wähnen, obwohl die Schraubenfraktion mir diesmal wohlgesonnen scheint.

Es kommt, wie es kommen muss!
Im letzten Akt dieses Zwischenaktes spielt mein geliebter Motor seinen Trumpf aus: 
"er habe eben für sehr lange Zeit auf frisches Öl verzichtet, der Umwelt zur Liebe...nachwachsende Rohstoffe und so"
Leider kann ich die Rücksicht auf die Umwelt zu diesem Zeitpunkt nicht unterstützen:
Als ich tiefe Riefen und Kratzer in der final entnommenen Nockenwelle entdecke, wird mir so warm, dass irgendwo eine Polkappe schmilzt.
Weil das noch nicht genug ist, fällt mir als nächstes auf,
woher das Erdöl seinen Namen bezieht:
Wenn man nur lange genug wartet, verwandelt das Öl sich nämlich wieder in Erde.
Beschließe, dass der Vorbesitzer diesen Nachweis erfolgreich erbracht hat,
brauche nun aber einen neuen Zylinderkopf.
Dabei würde ich viel lieber Ersatzteile bestellen.


03.07.:
Sicher haben Sie schonmal versucht, einen Zylinderkopf für ein 29 Jahre altes Auto zu ergattern.
Wer auf Schmerzen steht und etwas Zeit mitbringt, sollte das auf jeden Fall mal versuchen.

Aber ich habe Glück - hier und dort findet sich doch ein Zeitgenosse, der das gebrauchte Stück Metall zum Freundschaftspreis aus seiner messie-ähnlichen Garage ausgraben möchte.
Die Stimme am anderen Ende des Telefons verabredet sich mit mir für Sonntag...
wird aber Samstagabend noch auf einem Familienfest zum Saufen gebraucht.
Uneigennütziger Typ!
Wer sich schonmal an Kleinanzeigen und deren Abholvorgängen verlustiert hat, weiß schon jetzt, was Sonntag kommen wird.
Für alle Anderen: nein, kein Fernsehgarten, keine Lindenstraße.

Aber hey, 70,- Euro Ersatzteilkosten locken meine geschundene Seele.
Wilson kann auch nicht intervenieren - er ist ja nicht hier.
Zwei Tage und diverse Liter Bier und Schnaps stecken zwischen Telefonat und "Termin", ein bisschen mulmig wird mir dann doch, obwohl auf meiner Haben-Seite null Promille zu verbuchen sind.
Mit eben diesen fahre ich los - 50km Anfahrt sind nicht zu viel für das Wohl meines treuen Kameraden, der nun schon seit einem Monat tapferes Garagendasein fristet.
Oh armer, alter, eckiger Kerl...Dein Retter naht!
Moment, Dein Retter schreibt eine whatsapp.......
Dein Retter schreibt noch eine whats....ehm, Dein Retter ruft mal an!

Was leidlich wenig nützt, wenn der vermeintliche andere Retter am anderen Ende der Leitung noch von seiner Selbstlosigkeit zehrt - oder anders gesagt:
Andi, der Zylinderkopfverkäufer, schläft den Schlaf der Berauschten.
An einem Sonntag um 14.30 Uhr.
Ich bin eben auch ein gutgläubiger Typ.


03.07. nach dem Rausch:
Nach einer einsamen Stunde auf dem Marktplatz eines mir bis dato nicht näher bekannten Ortes, sendet Porno-Andi* ein erstes Zeichen aus dem Wachkoma.
Leider bleibt dieser Absatz frei von Überraschungen, denn der Typ hat natürlich verpennt, muss sich noch anziehen, wäre in EINER Minute da.
Ich rufe schnell bei Jörg Wontorra an - meine Sendezeit in der nächsten Folge "Bitte melde Dich!" darf nun wieder anderen Witwen und Waisen zugewiesen werden.
Warum Andi plötzlich Porno-Andi heißt, interessiert den Wontorra aber wiederum nicht.
Kai Pflaume habe ich jedoch leider nicht in meiner Kontakteliste.
Verflixt.

Der goldene Benz mit den viel zu breiten Reifen, mit dem mein "Retter" nach 15 Minuten endlich um die Ecke geholpert kommt, könnte jedenfalls auch den Love-Caravan ziehen.
Wenn man so eine Ludenschleuder sonst ebenfalls nur auf der Mattscheibe sieht, wird so ein gestreckter Sonntagsverkaufsausflug zu einem durchaus traumatischen Erlebnis.
Es kommt, was kommen muss:
Der Typ, der dem prolligen Haufen Altblech entsteigt, gibt erstmal einen Auszug aus seiner Vita zum Besten.
Kleinanzeigenkäufer kennen §1 BKAKG (Bundeskleinanzeigenkompetenzgesetz) eines jeden Privatkaufs:
"Komme nie ohne Umschweife zum Geschäft! Erwähne stets zuerst das Furunkel von Omma....ihrer Schwester deren Großnichte 10. Grades! Ware? Das hat Zeit!"

Andi hat schon viele Autos repariert, blablabla und sein Zylinderkopf wäre natürlich total toll - mehr kann ich mir Marktplatz-mürbe auch nicht mehr merken.
Jetzt müssen wir nur noch zu seiner Garage fahren und mein Baby heben...
das Garagentor wird sich öffnen und mein zukünftiges Motorenschicksal besiegeln.
Excalibur!
Natürlich baut ein echter alter Kleinanzeigen-Hase den zugehörigen Ablauf dramaturgisch gewaltig auf - Andi dagegen ist einfach noch ziemlich hackedicht und deshalb langsam.
Er findet den Weg aber trotzdem, blinkt nur nicht an den entscheidenen Wegpunkten.
Bemerkt aber erst hinterher, als wir angekommen sind, dass er ja noch gar nicht fahren dürfe...
Ausserdem erfahre ich, dass er bloß "alles" verkaufen muss, weil seine Perle ihn rausgeschmissen habe.
Stelle fest, dass andere Typen einen Wilson noch viel mehr gebrauchen könnten!

Dann öffnet sich das Garagentor und spuckt den erwarteten Messie-Berg aus.
So, wie Andi zeitgleich ausspuckt, dass "man seinen Pimmel niiiiiiiiiiiie woanders reinstecken sollte - wenn man dabei erwischt wird." *Brüller!*
In einer dunklen Ecke entdecke ich fahl einen alten Zylinderkopf, muss aber seltsamerweise an "Milchschnitte" denken...



  ~.....to be continued~

Sonntag, 2. August 2015

Werfttagebuch 1. Akt

...oder: Jetzt mache ich es mir selbst.

Ich bin ja auch ein handwerklicher Typ.
Wer aufmerksam mitgelesen hat, der weiß: Mein Dampfer ruht seit einigen Monaten in der Werft.
Böse Zungen würden behaupten: Mein Auto blockiert schon viel zu lange die Garage.
Dabei wollte ich doch nur die Zylinderkopfdichtung erneuern.
Das macht man so:
Zylinderkopf ab, fachmännisch gucken, "oha, das wird teuer!" denken, Kopf wieder drauf (also den vom Zylinder), Augen zu und weiterfahren.
Eigentlich kein Ding für einen Mann von Welt mit einer kleinen Auswahl an Werkzeug.
Auch von Welt.

29.05.:
Noch hat das Grauen keinen Namen. Zwar cruised es sich angesichts der gestiegenen Aussentemperaturen nicht mehr gänzlich unbeschwert, aber das kann bei so nem alten Auto ja mal vorkommen.
Um den drastisch steigenden Motortemperaturen entgegenzuwirken, darf man nur nicht anhalten. Fahrtwind ist toll und kostet nix - es ist vielleicht ein bisschen schwierig, das Rufen der entsetzten Passanten zu überhören, weil man ja auch mit komplett heruntergekurbelten Seitenfenstern fahren muss.
Ausserdem empfiehlt es sich, den Heizungsregler nicht aus seiner seelig schlummerigen Dezemberstellung zu wecken.
Während draussen schon der Asphalt flimmert, gehen im Innenraum des KFZ der Fahrer und ein im Handschuhfach schmelzendes Snickers eine optische Symbiose ein.
Ok, die Heizung läuft volle Pulle.

30.05.:
Da die geschilderten Umstände nun schon seit längerem andauern - alles begann damit, dass die Aussentemperaturen Ende Februar unerwartet über die 15°C-Marke kletterten - hole ich mir eine zweite Meinung ein.
Mein Kumpel meint, ein neues Fahrwerk würde nur unwesentlich dazu beitragen, keine rollende Sauna auf Rädern mehr bewegen zu müssen.
Möglicherweise wäre es nicht schlecht, die Ursache doch mal am Motor selbst zu suchen.
Recht hat er!
Entferne den Satz Tieferlegungsfedern und Stoßdämpfer aus dem Warenkorb und
bestelle noch in der Nacht nach dem Aufeinandertreffen einen kompletten Motor-Dichtungssatz bei amaz**.
Kostet nur 40,- Euro. Läuft!

05.06.:
Der Dichtungssatz ist da.
Gönnerisch lege ich die sensibel verpackten Papierdichtungen auf das Armaturenbrett meines stillgelegten Autos.
Alles wird gut. ...dazu sollte ich vielleicht bald mal anfangen.

07.06.:
Überlege, welche Ersatzteile ich noch gebrauchen könnte.
Vielleicht sollte ich schonmal bestellen.
Vielleicht fange ich aber lieber erstmal an...bald.
Nein, es ist nicht die Angst, das alles nicht wieder zusammengeschraubt zu bekommen.
Es ist der Respekt eines Mannes, der weiß, dass es später schwierig werden könnte, sich an jede Schraube zu erinnern, die man in einer mehrwöchigen Reparatur beiseite gelegt hat.
Ausserdem empfiehlt es sich, das Herz meines bislang eigentlich ganz treuen, wenn auch leicht verschwitzten Kameraden zuerst sachte zu demontieren.
Es könnte ja noch viel mehr kaputt gemacht werden sein.
Ich öffne die Motorhaube, dann folgt eine Dreiviertelstunde Selbstkasteiung, noch keine Ersatzteile zu bestellen.
Ich bin eben auch ein geduldiger Typ.

08.06.:
Hänge beinahe lässig im Vorbeigehen den Gasseilzug aus.
Bestelle keine Ersatzteile. Lobe mich ermutigend.

10.06.:
Auseinanderbauen ist ganz ok........ich erspare uns die Details.
Verkünde stolz, dass noch nichts kaputt gegangen ist.
Nur deshalb, muss ich noch keine Ersatzteile bestellen.

11.06.:
Das Auto ist der Meinung, dass ich ein Spezialwerkzeug brauche, damit es mir seine Kurbelwellenzentralschraube gibt.
Mir wird gewahr, dass man dieses Problem viel zu selten im Leben hat.
Sonst hätte ich ja ein Spezialwerkzeug - so wie wir alle, oder nicht?!

Finde das Werkzeug für 80,- Euro bei ebay.
Sinniere, ob das Leben einer Schraube mit Geld aufzuwiegen ist und wenn ja, mit welchem Betrag. Mit Naturalien wird man nicht weit kommen.
Ich schleiche um diese Anschaffung, wie Robert Redford um Demi Moore.
Aber es ist kein guter Tag zum Ersatzteile bestellen: im Internet stoße ich auf den Ratschlag, sich das Spezialwerkzeug doch bitte günstig selbst anzufertigen.
Vom Schwierigkeitsgrad soll das laut schrauberclown88 irgendwo zwischen "züchte Deine eigenen Flusskrebse" aus der Yps! und "my first pony" liegen.


14.06.:
Habe keine Lust auf Flusskrebse und ein Rohr habe ich auch nicht.
Frage meinen Kumpel per SMS.
Sein Rohr wäre nicht ganz rund, aber er könnte eins besorgen.
Das ist gut, ich brauche ein Stahlrohr, ca. 10cm lang, d=64mm und schön dick.
Er versteht mich.
Bevor ich irgendwelche Ersatzteile bestellen kann, muss ich dieses Werkzeug bauen.
Nehmen Sie Ungeduld wahr? Mitnichten.

17.06.:
Ich habe ein Rohr.

20.06.:
Judgement Day:
Mein Kumpel bringt mir das Stahlrohr mit.
Ich schneide mir eine schöne Scheibe ab - 9cm bleiben übrig und verrichten ihren Dienst fortan als Bleistifthalter mit metallischer Duftnote.
Ich flexe und schweiße, als gäbe es kein Morgen mehr.
Am Ende des Tages halte ich ein etwas in meinen Händen, das aussieht wie eine Kreuzung aus Lupe und Vorschlaghammer.
Schicke meinem Kumpel ein Foto, nachdem der lustig verbratene Metallklumpen noch in schwarze Farbe getaucht wurde.
Antwort: "Sieht professionell aus!".

"läuft viel zu gut", denke ich.
 Auch die Kurbelwellenzentralschraube ist verzückt.
Jetzt lässt sie sich so leicht öffnen, dass ich feststellen muss:
DAFÜR hätte ich gar keine Spezialwerkzeug gebraucht.
Schicke mal wieder einen netten Gedankengruß an den Vorbesitzer - Deine letzte Reparatur war sehr professionell, ich hätte mich aber vielleicht hier und dort nicht von der schwarzen Farbe blenden lassen sollen....

Kosten für die Braterei:
- ein bisschen Schutzgas
- eine halbe Trennscheibe für die Flex
- viel von diesen Dings, äh...Konzentration und Durchhaltevermögen
- Matt-Schwarz aus der Dose und 1,4 MB Traffic beim Verschicken der Bilddatei

Selfmade-Erlebnis:
- unbezahlbar




~.....to be continued~


Montag, 13. Juli 2015

Ferienprolog. Oder: Sauerkraut is' gefährlich

So, liebe Leserschaft, es ist auch für mich die sechste Stunde, also halten Sie ein.

Lieber wäre mir allerdings, das Bild vom letzten Tag vor den Ferien zu zeichnen.
Meist ein Mittwoch, der nur 3 Schulstunden hatte - in denen man mit dem Gefühl, nun eh nichts mehr ändern zu können, die Zeugnisausgabe abwartete und mit den Gedanken schon im sommerlichen Garten am Plantschen war.

Eigentlich sind hier keine Ferien, nicht in diesem Buch, nicht in diesem Blog, aber wenn der Autor schon nicht verreist, so mag er sich doch in dem Gefühl suhlen, zumindest imaginäres Fernweh zu schüren.
Sollten Sie diesbezüglich also zartbesaitet sein, schalten Sie weg, blättern Sie weiter.
Es gibt schöne dusselige Geschichten in dieser losen Zettelsammlung vom Cruisen ans Meer.
Mich beschleicht jedoch das Gefühl, dass wir hier trotz dieses prägnanten Titels noch nicht einmal ans Meer gefahren sind.
Wer aufmerksam gelesen hat und mir die richtige Lösung bringt (ok, wir waren noch nie am Meer hier *grml*), bekommt ein Sternchen ins Leserzeugnis...und eine Portion Sauerkraut extra.

Ja, Sauerkraut - der heilige Gral dieses Internetfleckchens.
Oft genannt, selten verwurstet. Vielleicht ist es jetzt so weit, denn für mich ist Sauerkraut so eng mit Urlaub verwoben, wie Fuerteventura mit dem schlimmsten Sonnenbrand meines Lebens.

Sauerkraut is' gefährlich.
Das gilt nicht nur, wenn man sich in die Lage des Lehrlings versetzt, der seinem - sagen wir - verdauungsauffälligen Seniorchef treu die Leiter halten "durfte", nachdem dieser wie so oft  von einem opulenten Mittagsmahl aus seiner Lieblingsgaststätte zurückgekehrt war.
Man sagt ja, dass Gase schnell verfliegen, in die Atmosphäre abziehen.
Und ganz vielleicht wird das hier ein kleines bisschen unapettitlich,
aber bei Reinholds Sauerkrautgasen war das irgendwie anders.
Die Leiter konnte noch so lang, der Wind noch so frisch sein: der Untenstehende (in dem Fall...ich) wusste immer, dass in Reinholds Dünndarm Bratenparty war.
Wenn jetzt Chemiker unter uns sind, lässt sich ggf. analysieren, ob mein Chef nicht auch ohne Leiter an die Objekte seiner Reparaturbegierde gelangt wäre..also mittels Gasfüllung.
Aber das würde dem Ganzen ein zu wissenschaftliche Note verleihen.
Ausserdem hätte dann auch jemand unten stehen müssen, der jenen menschlichen Gasballon festhielte und nicht freudig mit den anderen Gasen in oben genannte Atmosphäre fahren lassen würde.

Stellen Sie sich also am besten einfach weiter einen kleinen alten Mann vor, der auf einer mittelhohen Leiter ein Schild an sein Firmengebäude schraubt, eine Fahne aufhängt (das ist beinahe zweideutig zu verstehen), eine Glühlampe wechselt..
oh ja, es gibt so viele Möglichkeiten, wo man als Lehrling das untere Ende einer Leiter beschweren muss, ohne dabei seiner eigentlichen Tätigkeit nachzugehen.
Irgendwann pupste sich Reinhold in die ewigen Jagdgründe, da musste ich aber schon keine Leiter mehr halten.
Sei's drum.
Sauerkraut ist gefährlich;
vor allem, wenn es einen am weit entfernten Pool auf Fuerteventura wieder einholt.
Man ist nirgends sicher vor dem Zeug.
Selbst, wenn man mit geschlossenen Augen in der Sonne brutzelt, die noch durch den Sonnenschirm Lichtschutzfaktor 95 erfordert...noch von den letzten Zeilen eines guten Buches träumt, sich anschickt, bald das kühle Nass des naheliegenden Schwimmbeckens aufzusuchen und dann von einer Stimme im besten Mainzer Fassenachts-Dialekt endlich zum heiligen Gral geführt wird.
Eine Situation, in der man besser einfach weiter wegschaut, aber umso gespannter zu lauschen beginnt, auch wenn man sonst nicht auf Büttenreden abfährt.
Sauerkraut ist also auch gefährlich, wenn man nur Urlauber ist.
Das weiß ich spätestens nach dem 17-minütigen Monolog, den dieser Miturlauber, den ich tatsächlich nie vor Augen, aber immer stimmlich präsent habe, anderen mitbratenden Urlaubsgenossen vortrug.
Junge, konnte man da viel von Herzinfarkten und schlimmen Winden erfahren, Kardioligen, Kernspinsauerkrautographen.
Oder kurz:
Urlaub auf Furzeventura. 
Meine Poolnachbarn könnten Ihnen allerdings ein besseres Lied davon singen, denn die wurden ja persönlich belehrt.

Ich habe mir nur gemerkt, dass Sauerkraut gefährlich ist.
Spätestens, wenn diese ominöse Karnevalszeit wieder beginnt, fällt es mir wie Rotkohl aus der Hose:
Ein Satz im Meenzer Dialeggt reicht aus und der Sauerkraut-Mann entspringt aus seinem salzig-Sauren Sauerkraut-Topf.
Barbäuchig tritt er hervor, baut sich medizinisch erfahren unter der heißen Sonne Spaniens auf, ist natürlich nicht eingecremt, und sagt dann diesen abschließenden Satz, der nicht in meinem Poesiealbum des Lebens, aber im Sauerkrautkeller eingemeißelt steht:
"und seit dem weiß ich:
Sauerkraut is gefährlich!"

Nun, das wussten Sie jetzt schon, aber das ist es, DAS ist die Sauerkraut-Story.
17 Minuten Urlaub meines Lebens, bumms: traumatisiert.
 Hätte der gute Mann bloß noch eine Leiter dabei gehabt......


Sommerlichst,
Ihr/Euer/Dein

Mann.im.Meer